Jahrzehnte für Schutz und Selbstbestimmung
Auch wir als Frauenhaus beider Basel sind als Reaktion auf das lange tabuisierte Problem der häuslichen Gewalt entstanden. Mit dem Beginn der feministischen Bewegungen in den 1970er-Jahren wurde das Thema häusliche Gewalt öffentlich. Und mit der wachsenden Erkenntnis über fehlende Fluchtmöglichkeiten kamen auch Forderungen nach Schutzräumen für betroffene Frauen auf.
Hier beginnt unsere Geschichte.
1977
Bildung der Kommission «Gewalt gegen Frauen» durch die Frauenzentrale Basel.
1978
Interpellation betreffend Gewalt gegen Frauen in Basel. Der Regierungsrat zieht die Gründung eines Frauenhauses in Betracht, falls sich das bestehende Angebot als unzureichend erweist. In Zusammenarbeit mit der Polizei stellt die Frauenzentrale Information und Zahlenmaterial über Misshandlungen an Frauen in Basel zusammen.
1979
Gründung einer Arbeitsgruppe von Frauen aus der Frauenbewegung und verschiedenen Organisationen. Ihr Ziel ist die Sensibilisierung der Öffentlichkeit gegenüber der Unterdrückung und Misshandlung von Frauen sowie die Schaffung eines Frauenhauses.
Gründung des Vereins Frauenhaus durch die Arbeitsgruppe.
Jeden Monat kann in Basel von 100 Fällen von Missbrauch an Frauen – und einer weitaus höheren Dunkelziffer – ausgegangen werden. Dies belegen die Ergebnisse der Untersuchung der Frauenzentrale.
Konzept, Budget und Finanzierungsplan für ein Frauenhaus liegen vor.
1980
Gründung der Stiftung Frauenhaus, der Frauen aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens angehören. Der Verein Frauenhaus bleibt bestehen.
1981
Das Frauenhaus erhält eine auf fünf Jahre begrenzte Zusage für eine finanzielle Unterstützung sowie einen einmaligen Einrichtungskredit.
1. Juni Eröffnung des Frauenhauses Basel.
1984
Basel-Landschaft leistet finanzielle Beiträge aus dem Lotteriefonds an das Frauenhaus.
1988
Inkrafttreten des Frauenhausgesetzes im Kanton Basel-Landschaft, wodurch regelmässige kantonale Beiträge an das Frauenhaus gesichert sind.
1991
Eröffnung der Frauenhaus-Beratungsstelle an der Grenzacherstrasse unter dem Dach des Vereins Frauenhaus.
1993
Inkrafttreten des Opferhilfegesetzes (OHG).
2002
Rückzug des Vereins Frauenhaus aus der Trägerschaft des Frauenhauses.
2003
Umzug der Frauenhaus-Beratungsstelle an den Steinenring 53, zusammen mit dem Nottelefon, Triangel und der Opferhilfe beider Basel.
2004
Inkrafttreten des Bundesgesetzes, nach dem häusliche Gewalt ein Offizialdelikt ist.
2006
Inkrafttreten des Gesetzes der polizeilichen Wegweisung im Kanton Basel-Landschaft.
Erwerb einer neuen Liegenschaft.
Die Frauenhaus-Beratungsstelle wird aus der Trägerschaft der Stiftung Frauenhaus ausgelöst.
2007
Inkrafttreten des Gesetzes der polizeilichen Wegweisung im Kanton Basel-Stadt.
2007/08
Umbau und Einrichten der neuen Liegenschaft.
2008
Aufnahme der Verhandlungen mit den beiden Basler Kantonen für ein neues Finanzierungsmodell.
Einführung eines neuen Betriebskonzepts mit einem 24-Stunden-Betrieb.
2011
Inkrafttreten des neuen Frauenhausgesetzes im Kanton Basel-Landschaft.
Die Leistungsvereinbarung mit neuem Finanzierungsmodell und Subventionen für die Jahre 2011–2015 wird in beiden Basler Kantonen verabschiedet.
2013
Die Schweiz unterzeichnet die Istanbul-Konvention, ein Übereinkommen des Europarats zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt.
2016
Umbenennung in «Frauenhaus beider Basel» mit neuem Logo.
Jubiläumsfeier 35 Jahre Frauenhaus beider Basel. Der Jahresbericht 2015 (PDF) versammelt spannende Interviews und Berichte von Gründerinnen und Frauen der zweiten Generation.
2017
Ratifizierung der Istanbul-Konvention. Die Konvention verpflichtet die Vertragsstaaten, Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt zu verhüten, zu verfolgen sowie zu bekämpfen. Zudem will sie die Gleichstellung von Mann und Frau fördern und einen Beitrag gegen die Diskriminierung von Frauen leisten.
2018
Inkrafttreten der Istanbul-Konvention.
2019
Start des Pilotprojekts Gewaltbetroffene Mütter und Kinder stärken (Liaison) in Zusammenarbeit mit der Klinik für Kinder und Jugendliche der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK).
Eröffnung der PasserElle, eines Übergangsangebots für Frauen und Kinder.
2020
Eröffnung der Notunterkunft Frauenhaus-SOS mit zusätzlichen Schutzplätzen, um während und nach der Coronakrise mehr Frauen vor Gewalt schützen zu können.
2021
Das Frauenhaus beider Basel feiert sein 40-jähriges Bestehen. Das von Beginn an befristete Angebot Frauenhaus-SOS wird Ende 2021 als erfolgreiches und wichtiges Projekt geschlossen.
2022
Das Projekt «Gewaltbetroffene Mütter und Kinder stärken» (Liaison) sowie die PasserElle werden nach erfolgreichen Pilotphasen ins Grundangebot des Frauenhauses beider Basel aufgenommen.
2023
Das Projekt ImPuls zur psychologischen Erstintervention für Frauen nach häuslicher Gewalt startet in eine zweijährige Pilotphase.
2024
Team und Stiftungsrat erarbeiten eine neue Strategie mit Vision und Mission.
2025
Das Frauenhaus beider Basel reicht zusammen mit der DAO erstmals eine Beschwerde beim Schweizer Presserat ein: Es geht um die reisserische Berichterstattung der Medien «20 Minuten» und «nau.ch» über einen Feminizid in Baselland, die den Opferschutz missachtet. Die Beschwerde wird mehrheitlich gutgeheissen.