Schutz, Beratung & psychologische Unterstützung
Damit Frauen einen Weg aus häuslicher Gewalt finden können, brauchen sie gezielte Unterstützung. Seit der Eröffnung des Frauenhauses beider Basel 1981 haben wir deshalb spezifische Beratungs- und Unterstützungsangebote entwickelt und immer wieder an die Bedürfnisse der Klientinnen angepasst. Sie reichen von persönlicher Beratung, Mutter-Kind-Beratung und psychologischer Ersthilfe für Frauen und Kinder über traumasensible Kinderbetreuung bis zu Unterstützung in verschiedenen Lebensbereichen.
Unsere Unterstützungsangebote im Überblick:
Frauenberatung
Ein wichtiger Bestandteil des Aufenthalts im Frauenhaus ist die persönliche Beratung. In einem geschützten und gewaltfreien Raum kann die Frau über ihre Situation sprechen und neue Perspektiven entwickeln. Sie wird dabei von der gleichen Beraterin begleitet. Das Ziel ist, das Selbstvertrauen der Frauen zu stärken und gemeinsam Wege aus der gewaltbelasteten Lebenssituation zu finden.
Wir stehen parteilich an der Seite betroffener Frauen und unterstützen sie bei ihren Entscheidungen. Für die Sicherheit und Unterstützung während und nach dem Aufenthalt arbeiten unsere Beraterinnen auf Wunsch der Frauen eng mit Fachstellen zusammen.
Mutter-Kind-Beratung
Jede Mutter wird mit ihren Kindern zusätzlich durch eine Mutter-Kind-Beraterin als feste Bezugsperson begleitet. In einer Familie, in der häusliche Gewalt stattfindet, sind Kinder immer auch Betroffene. Sie haben ein Anrecht darauf, dass ihre eigenen Bedürfnisse wahrgenommen und ernst genommen werden. In der Mutter-Kind-Beratung erhalten Frauen Unterstützung in ihrer Rolle als Mutter, damit sie ihre Kinder in dieser Krisensituation bestmöglich begleiten können.
Lesen Sie mehr zu unseren Unterstützungsangeboten für Kinder im Frauenhaus
Gewaltbetroffene Mütter und Kinder stärken
Das ist ein Unterstützungsangebot in Zusammenarbeit mit den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK). Es ermöglicht kurzfristige psychologische Sprechstunden vor Ort mit einer Kinder- und Jugendpsychologin. Das Angebot wird Müttern mit ihren Kindern kurz nach einem Eintritt vorgestellt. Eine Mutter kann bis zu vier Sprechstunden alleine oder gemeinsam mit ihren Kindern in Anspruch nehmen. Kinder ab 12 Jahren dürfen selbst entscheiden, ob sie das Angebot nutzen möchten.
Ergänzend zu den Sprechstunden sind bei Bedarf Notfallinterventionen möglich. Zudem findet zur Stärkung der seelischen Widerstandskraft (Resilienz) eine traumapädagogische Begleitung durch die Psychologin im internen Spielangebot statt.
ImPuls: Psychologische Ersthilfe für Frauen
Durch den Aufenthalt im Frauenhaus setzen sich betroffene Frauen intensiv mit ihrer Gewalterfahrung und der aktuellen Gefährdungssituation auseinander. Diese Auseinandersetzung ist oft sehr belastend und kann zu akuten Krisen führen. Langjährige Gewalterfahrungen hinterlassen häufig Spuren in Form von Traumata oder psychischen Belastungen.
Damit die Frauen zeitnah professionelle Unterstützung erhalten, startete das Frauenhaus beider Basel im Sommer 2023 das Pilotprojekt ImPuls. Es bietet eine frühe psychotherapeutische Begleitung nach erlebter häuslicher Gewalt und ist in dieser Form schweizweit einzigartig.
In enger Zusammenarbeit mit den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) erhalten Frauen Zugang zu kurzfristigen Sprechstunden bei einer Psychologin. Bei Bedarf sind auch Notfallinterventionen möglich.
Spielangebot: Begleitetes traumasensibles Spielen
Kinder, die im Frauenhaus leben, haben oft belastende Erfahrungen gemacht und benötigen besondere Zuwendung. Das begleitete Spielangebot bietet einen sicheren, traumasensibel gestalteten Raum, in dem Kinder spielen, sich bewegen und kreativ sein können – altersgerecht und ihren Bedürfnissen entsprechend.
Das Spielzimmer wurde gezielt für Kinder mit möglicherweise traumatisierenden Erfahrungen gestaltet. Es verfügt über eine klare Raumstruktur, Rückzugsmöglichkeiten und Materialien, die alle Sinne ansprechen und die sensomotorische Entwicklung fördern. Rituale wie Begrüssung und Verabschiedung im Eingangsbereich geben Halt und Orientierung.
Erfahrene Mitarbeiterinnen begleiten die Kinder im Alltag, bieten Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten an und unternehmen je nach Situation auch kleine Ausflüge. Dies immer mit dem Fokus auf Sicherheit und Stabilität. Die Betreuung schafft nicht nur einen geschützten Raum für die Kinder, sondern entlastet auch die Mütter, damit sie Termine wahrnehmen und neue Kraft schöpfen können.
Wohnen, Arbeit & Vernetzung
Frauen, die im Frauenhaus beider Basel Schutz finden, durchlaufen vier Phasen der Begleitung: Stabilisierung, Orientierung, Konkretisierung und Austritt. In der Konkretisierungsphase liegt der Fokus darauf, die Frauen beim Aufbau eines selbstbestimmten und unabhängigen Lebens nach dem Aufenthalt zu unterstützen. Im Zentrum stehen zwei Bereiche: eine eigene Wohnung und die Vernetzung. Ziel ist es, eine stabile Anschlusslösung zu finden, ohne Zwischenlösungen mit ungewisser Perspektive.
Um die Frauen nachhaltig bei der Arbeitsintegration zu unterstützen, besteht eine Kooperation mit dem Verein AMIE Basel. In Einzelcoachings erhalten sie Hilfe bei der Orientierung auf dem Arbeitsmarkt und beim beruflichen Wiedereinstieg. Dies umfasst Unterstützung bei Bewerbungsdossiers und Vorstellungsgesprächen. Eine berufliche Perspektive stärkt nicht nur das Selbstvertrauen, sondern ist ein zentraler Schritt in Richtung finanzieller Eigenständigkeit und Stabilität.
Tanz & Bewegung
Bewegung stärkt nicht nur den Körper, sondern auch das seelische Wohlbefinden. Einmal wöchentlich lädt eine Bewegungspädagogin alle Frauen im Haus zu einer Stunde Tanz und Bewegung ein. In einem geschützten Rahmen können die Frauen ihren Körper neu spüren, Verspannungen lösen und innere Spannungen abbauen.
Das Angebot unterstützt die Körperwahrnehmung, fördert das Selbstvertrauen und schafft Momente von Leichtigkeit und Lebensfreude. Es hilft dabei, wieder in Kontakt mit dem eigenen Körper zu kommen, was oft ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Heilung nach Gewalterfahrungen ist.
PasserElle: Übergangsangebot mit Schutz & Beratung
Seit 2019 ist die PasserElle ein mögliches Übergangsangebot für Frauen und ihre Kinder, die sich im Frauenhaus bereits psychisch stabilisieren konnten, jedoch noch weiteren Schutz benötigen und Zeit brauchen, um in die Selbstständigkeit zu gehen oder eine Wohnung zu finden.
In der PasserElle erhalten die Frauen weiterhin fachspezifische Beratung und werden gezielt in ihrer weiteren Lebensplanung unterstützt. Die Unterstützung erfolgt mit dem Blick auf eine zunehmende Eigenständigkeit und legt ein Hauptaugenmerk auf die externe Vernetzung.
Auch in der PasserElle steht die Sicherheit an oberster Stelle: Der Standort bleibt aus Schutzgründen anonym.
Mit dem Übertritt in die PasserElle werden im Frauenhaus dringend benötigte Schutzplätze für akut gefährdete Frauen frei – so können schneller Betroffene aufgenommen und vor weiterer Gewalt geschützt werden.