Gewaltbetroffene Kinder unterstützen
Erleben Mütter häusliche Gewalt, sind ihre Kinder davon immer betroffen. Kinder, die häusliche Gewalt erlebt haben, benötigen auf besondere Weise Unterstützung. Häufig zeigen sie auffälliges Verhalten, Anzeichen von Traumatisierung oder geben sich selbst die Schuld für das Geschehene. Viele verstehen nicht, was passiert ist, und stehen vor der grossen Herausforderung, die Erlebnisse und die Veränderungen zu verarbeiten.
Das Frauenhaus beider Basel bietet traumasensible Unterstützungsangebote für Kinder. Unser Ziel ist es, ihnen einen sicheren Ort zu bieten: einen Ort, an dem sie Stabilität und Ruhe erfahren können. So erhalten sie die Möglichkeit, Vertrauen aufzubauen, das Erlebte zu verstehen und zu verarbeiten.
Unsere Unterstützungsangebote:
Mutter-Kind-Beratung
Erfahrene Sozialarbeiterinnen begleiten die Mütter mit ihren Kindern während des gesamten Aufenthalts. Dabei wird jede Mutter und jedes Kind von der gleichen Beraterin unterstützt (Bezugspersonensystem).
Im Zentrum der Mutter-Kind-Beratung stehen die Unterstützung der Frauen in ihrer Rolle als Mütter und die Begleitung der Kinder, damit sie einen Umgang mit der erlebten Gewalt und den aktuellen Veränderungen entwickeln können.
Spielangebot: Traumasensibles Spielen mit Betreuerinnen
Unter der Woche bieten Mitarbeiterinnen ein begleitetes Spielangebot nach den Grundsätzen der traumasensiblen Pädagogik an. Dieses Angebot orientiert sich an den kindlichen Bedürfnissen und unterstützt die Kinder dabei, Vertrauen zurückzugewinnen und neue, positive Erfahrungen zu machen. Die Erfahrung eines «sicheren Ortes» ist eine wichtige Voraussetzung, um traumatische Erlebnisse verarbeiten zu können.
Für die Mütter bietet das Spielangebot die Möglichkeit, wichtige Termine selbstständig wahrzunehmen, und gleichzeitig ausreichend Freiraum, um neue Kraft zu schöpfen für den Veränderungsprozess.
Ausflüge
Wenn es die Gefährdungssituation der Kinder erlaubt, unternehmen die Mitarbeiterinnen gemeinsam mit ihnen Ausflüge. Dabei stehen das Erleben von Freude und vielfältigen Sinneserfahrungen im Mittelpunkt.
Gewaltbetroffene Mütter und Kinder stärken
Kinder, Jugendliche und ihre Mütter erhalten nach dem Eintritt ins Frauenhaus schnell und unkompliziert kinder- und jugendpsychologische Unterstützung. Eine Psychologin der UPKKJ Basel (Universitäre Psychiatrische Kliniken, Kinder und Jugendliche) bietet regelmässig Sprechstunden im Haus an. Sie macht eine klinische Ersteinschätzung des Kindes und unterstützt es im Umgang mit Belastungssymptomen.
In Krisen entwickelt die Psychologin mit unseren Mitarbeiterinnen Notfallpläne. Zudem unterstützt sie unser Team mit kinderpsychologischem Fachwissen sowie mit Resilienz fördernden Ansätzen in der hausinternen Kinderbetreuung.
Schulpflicht
Die Kinder können auch im Frauenhaus ihrer Schulpflicht nachgehen. In der Regel können sie innerhalb von ein bis zwei Wochen nach Eintritt ins Frauenhaus wieder eine Schule besuchen. Kinder, die das Haus aus Sicherheitsgründen nicht verlassen können, erhalten vor Ort Unterricht.
Räumlichkeiten
Im Frauenhaus Basel legen wir grossen Wert darauf, dass alle Gemeinschaftsräume kinderfreundlich gestaltet sind. Acht unserer insgesamt zehn Zimmer sind Familienzimmer. Diese bieten Platz für bis zu fünf Personen und ermöglichen es Frauen, gemeinsam mit ihren Kindern zur Ruhe zu kommen.
Das grosse Spielzimmer ist für Kinder ein besonderes Erlebnis. Es bietet eine klare Raumstruktur, Rückzugsmöglichkeiten, vielfältige Bewegungsmöglichkeiten sowie Spielmaterialien, die verschiedene Sinne ansprechen und die besonderen Bedürfnisse traumatisierter Kinder berücksichtigen.
Tagesstruktur
Unsere Mitarbeiterinnen unterstützen berufstätige Mütter dabei, für ihre Kinder wieder eine verlässliche Tagesstruktur aufzubauen, damit sie so rasch wie möglich wieder arbeiten können.
Die 5 Grundhaltungen der traumasensiblen Pädagogik
Die Annahme des guten Grundes: Traumatisierte Kinder entwickeln Überlebensstrategien, die es anzuerkennen gilt. Dieses Verhalten hat in der individuellen Geschichte des Kindes einen Sinn erfüllt.
«Alles, was ein Mensch zeigt, macht einen Sinn in seiner Geschichte!»
Wertschätzung: Im Zentrum steht die Würdigung und Wertschätzung dieser Überlebensstrategien. Die Kinder werden ermutigt, ihr belastendes Verhalten zu reflektieren und daraus alternative Verhaltensweisen zu entwickeln.
«Es ist gut so, wie du bist!»
Partizipation: Im Fokus steht die Förderung der Teilhabe von Kindern an Entscheidungsprozessen in ihrem Leben. Das Gefühl von Autonomie, Kompetenz und Zugehörigkeit ist für traumatisierte Kinder entscheidend für ihre seelische Gesundheit.
«Ich trau dir was zu und überfordere dich nicht!»
Transparenz: Damit traumatisierte Kinder einen sicheren und berechenbaren Ort erfahren können, ist ein transparenter Umgang mit Hierarchien, Strukturen und Machtverhältnissen notwendig.
«Jeder und jede hat jederzeit ein Recht auf Klarheit!»
Spass und Freude: Hier wird ein besonderer Fokus auf Spass und Freude gelegt, um das Ungleichgewicht der stark belastenden Emotionen auszugleichen. Positive Erlebnisse stärken das Gleichgewicht zwischen Belastung und Widerstandsfähigkeit und unterstützen dadurch Lernen und Entwicklung nachhaltig.
«Viel Freude trägt viel Belastung!»
Inhalte abgeleitet vom Positionspapier Fachverband Traumapädagogik (PDF)
Erhalten Sie mehr Einblick in die Arbeit mit betroffenen Kindern und lesen Sie das Interview mit einer Mitarbeiterin.